Presseführungen vor der Schließung
In den 8 Tagen vor der endgültigen Schließung des Flughafens BERLIN-TEMPELHOF hat die Berliner Flughafengesellschaft mehrmals großzügige Presseführungen durch das gesamte Gebäude angeboten. Als Pressevertreter hatte man die Aufgabe, sich rechtzeitig per Fax zu akkreditieren.
Da uns die Berichterstattung und vor allem die bildliche Dokumentation sehr am Herzen lag, haben wir uns ebenfalls angemeldet und waren bei zwei der insgesamt 7-8 Termine dabei.
Eher zwanglos hatte man sich vor dem Sicherheitsbereich unterhalb der beiden großen Anzeigetafeln eingefunden: Kamerateams der großen Öffentlichrechtlichen Sendeanstalten, Sender aus Canada, USA aber auch Österreich waren dabei - nicht zu vergessen die schreibende Zunft und die Kollegen vom Hörfunk.
Die übermittelten Anmeldedaten wurden vor Ort mit den Personalausweisen der Anwesenden abgeglichen und nach der obligatorischen Sicherheitsschleuse war die Journalistengruppe nun also im “Sicherheitsbereich” angekommen. Ein Mitarbeiter der Presseabteilung übernahm die Führung hinaus auf das Vorfeld (die knapp 500.000 Quadratmeter betonierte Freifläche vor dem Gebäude) und sogleich begannen die Fotografen ihr Werk.
Im Anschluss daran begann der zweite Teil der Presseführung: hinauf auf die Panorama-Terrasse des Gebäudes. Durch die unzähligen Stufen, Treppen, Winkel und Türen kamen auf dem Dach leider nur noch halb so viele Journalisten an wie unten auf dem Vorfeld losgelaufen waren - es kam also zu Verzögerungen. Auf dem Weg zum Dach gab es noch einen Abstecher in die im dritten Reich nie fertiggestellte Ehrenhalle, eine weitere Gefahr, Leute aus dem Pulk mit Kameras, Mikrofonen und Schreibblöcken zu verlieren.
Zuletzt dann der dritte Programmpunkt: der Filmbunker. Legendär deshalb, weil es ein mystischer und oft zitierter Ort gleichermaßen ist. Kurz zum Hintergrund: die Nationalsozialisten haben in diesem Bunker unter dem nördlichsten, zivilen Teil des Gebäudes damals Filmaufnahmen versteckt. Unzählige Rollen, in Regalen bis unter die Decken gestapelt. Als die Bunkeranlage von den russischen Soldaten entdeckt wurde, ist die Tür zu dem Bunker von ihnen gesprengt worden. Die Druckwelle sowie das einsetzende Feuer haben die lagernden Filmrollen in Brand gesetzt. Zur damaligen Zeit wurde das Filmmaterial auf Zelluloid gebannt, ein Stoff, der sehr leicht entflammbar ist. Die Bunkeranlage brannte damals mehrere Tage und hat alles an Filmmaterial vernichtet. Noch heute sind die Wände in dieser Bunkeranlage schwarz verrust, die Türen sind ausgeglüht.
Bei der Führung wurde mehrmals wiederholt, dass sich KEINE weitläufigen, unterirdischen Geheimgänge unterhalb des Gebäudes und des Flugfeldes befinden. Einzig und allein “Versorgungskanäle”, die dem Halbrund des Gebäudes folgen, seien unterirdisch verlegt. Die Höhe und Breite wird mit 2-3 Metern an den größeren Stellen angegeben und ca. 1-1,5 Metern an engeren Stellen. Mitarbeiter des Flughafens hätten eine Karte mitnehmen müssen, um sich immer und überall orientieren zu können.

