Interna: weiter Sparen um jeden Preis!

Permanente Beleuchtung, ständig präsenter Wachschutz und fehlende wirtschaftliche Perspektive - es gibt Tage, da möchte man lieber nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken, die das Flickwerk aus leeren Versprechungen, nicht vorhandenen Einnahmen und überaus hohem öffentlichen Druck verwalten müssen.

Die Berliner Immobilien Management GmbH (BIM), die vom Senat mit der Vermarktung und Verwaltung von Gebäude und Gelände des Flughafens BERLIN-TEMPELHOF beauftragt wurde, gibt unumwunden zu, dass die Idee von der raschen wirtschaftlichen Nachnutzung eine Illusion war:

Das Defizit kann im schlechtesten Fall bis zu 14 Millionen Euro betragen und die Mieteinnahmen von 5,5 Millionen Euro sind bereits gegengerechnet.

Das ist die Aussage von Sven Lemiss, Chef der BIM, in einem Zeitungsinterview. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn die nächste finanzielle Belastung steht bereits ins Haus: die Berliner Stadtreinigung, die mit der Reinigung und Leerung von Gelände und Mülltonnen beauftragt ist, hat bereits die neue Summe für die Arbeit genannt: 1,5 Millionen Euro. Denn seit der Flughafen KEIN Flughafen und damit auch KEIN Gebäude mit Sonderfunktion mehr ist, kommt die Gebührenstruktur für ein normales städtisches Grundstück zum Tragen. Und das bedeutet: die BSR leert die Mülltonnen, wie es für ein 380 Hektar großes Grundstück mit Haus definitiert ist. Eine Summe, die fast 10mal hörer ist, als die Reinigung zu Zeiten des Flugbetriebes gekostet hat.

Der Offenbarungseid der BIM geht weiter:

In den nächsten Jahren werden wir deutlich im Minus bleiben.

Erklärt Sven Lemiss weiter.

Langsam aber sicher nähert sich die BIM dem von Wirtschaftsexperten prognostizierten Jahresdefizit von 24-30 Millionen Euro. Und dieses “wahre” Defizit war und ist dem Berliner Senat von Anfang an bekannt.

Die Folge sind nun überstürzte Sparmaßnahmen - und zwar um jeden Preis. Und deshalb erschien Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) einen Tag vor Heiligabend am 23.12.2008 persönlich im Flughafen BERLIN-TEMPELHOF, um vor Ort seine Mitarbeiter der BIM auf den neuen Sparkurs einzuschwören. Die Körpersprache des Regierenden war überaus deutlich: das Wasser steht bis zum Hals und es läuft viel schlechter als gedacht.

Zum einen soll ein Sicherheitszaun mit Wärmebildkameras rund um das Vorfeld errichtet werden. Kostenpunkt 200.000 Euro - dadurch könnten einige Schichten des Wachschutzes entfallen, die bisher im Viertelstundentakt den Außengelände-Zaun von innen regelmäßig abfahren. Die Folge: die Abstände der Sicherheitsfahren am Außenzaun werden ausgedünnt und weitere Zaunbeschädigungen drohen (es gab zu Sylvester bereits drei größere Einbruchsversuche mit mutwilliger Zerstörung des Zaunes).

Wenn der Sicherheitszaun steht, sollen auch die großen Flutlichtscheinwerfer abgestellt werden. Auf insgesamt 9 Lichtmasten bestrahlen jeweils 4×2.000 Watt das Vorfeld. Ein ungeheurer Lichtverbrauch von 580 Kilowattstunden jede Nacht - bei aktuellem Strompreis ein Ergebnis von sagenhaften 140 Euro pro Nacht und nur allein für das Vorfeld.

Und das Sparen geht weiter - denn auch vor der Sicherheit wird kein Halt gemacht. Drei Mann in drei Schichten arbeiteten täglich in der Feuerleitzentrale des Flughafens am Südende des Gebäudebogens. Dieser Feuerwehrtrupp kannte das Gebäude wie die eigene Westentasche und niemand sonst wäre in der Lage, jeden Winkel des weitverzweigten Gebäudes innerhalb weniger Minuten zu erreichen - im Brandfall ein unschätzbarer Vorteil gegenüber jedem, der sich erst mühsam durch Gangpläne durcharbeiten muss. Dieser Feuerwehrtrupp wurde zum Jahresende aufgelöst. Anstelle der Beamten tun nun zwei Sicherheitsleute Dienst, deren Aufgabe darin besteht, das große Pult mit den Sicherheitsleuchten der fast 1000 Brand- und Rauchmelder im Gebäude und den Hangars zu beobachten und im Alarmfall die normale städtische Feuerwehr zu alarmieren. Könnte ein mögliches Feuer über diese umständliche Alarmkette wirksam bekämpft werden, ohne den Gesamtverlust des Gebäudes zu riskieren? Ein möglicher Brand, der in diesem riesigen Gebäude außer Kontrolle gerät, würde in einer uneinschätzbaren Katastrophe mit tagelangem Niederbrennen enden.

Aber auch hier ist noch nicht Schluss mit dem Sparen - inzwischen gibt es ernsthafte Bestrebungen, erste Einrichtungen des Geländes zu verkaufen. Zuerst hat es die Notstromdiesel der Landebahnbefeuerung getroffen. Diese Generatoren sprangen automatisch an, wenn es im öffentlichen Stromnetz zu Schwankungen oder Ausfällen kam und die Stromversorgung der fast 500 Lampen und Scheinwerfer auf dem Flugfeld sichergestellt werden musste. Inzwischen wurde der Diesel aus den Tanks bereits entleert - ein Verkauf steht unmittelbar bevor. Und das, obwohl dieser Flughafen weiterhin nicht entwidmet ist und damit immer noch ein Verkehrsflughafen ist - nur eben ohne Flugverkehr.

Autor: admin
Datum: Dienstag, 13. Januar 2009 18:57
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