Interview: Flugpark Berlin wird in Tempelhof immer wahrscheinlicher

Flughafentempelhof.com

Hitzige Debatten im Abgeordnetenhaus, Streit über die Vermietungsstrategie des Senats und Enttäuschung bei abgelehnten Mietinteressenten, der Flughafen BERLIN-TEMPELHOF ist weiterhin DAS Thema in der Hauptstadt. Doch während im Vordergrund immer wieder neuer Ärger hochkocht, scheint im Hintergrund die Zukunft des ehemaligen Zentralflughafens am Tempelhofer Damm von Tag zu Tag konkreter zu werden.

Dass eines Tages in Tempelhof wieder Flugzeuge starten und landen werden ist bei Bürgern und Investoren offenbar längst vom Tisch. “Das Thema ist durch”, erklärte im Dezember 2008 auch der Fraktionsvorsitzende der Berliner CDU, Frank Henkel, in einem Gespräch. Doch ein kleiner nicht-öffentlicher Kreis von Unternehmern, Beratern und Luftfahrtexperten scheint die fliegerische Zukunft des Flughafens offenbar niemals aufgegeben zu haben - und hat in der Zwischenzeit ganze Arbeit geleistet, damit Tempelhof wieder Flughafen werden könnte.

Zu diesem “geheimen Kreis” zählt auch Andreas Brühan, Vorstand des Unternehmens Berlin Tempelhof Aviators AG, das nach wie vor im Gebäude des leerstehenden Flughafens beheimatet ist und sozusagen die allerletzte Stellung hält, während bereits über Modemessen und Feuerwerksevents entschieden worden ist.

FLUGHAFENTEMPELHOF.COM: Herr Brühan, im Januar haben Sie erstmals mit der Idee “Flugpark Berlin” auf sich aufmerksam gemacht. Seit dem nimmt man nur noch das gescheiterte Filmhafen-Projekt der Filmstudios Babelsberg sowie den Ärger um die Bread&Butter wahr. War der Ansatz mit der Wiederbelebung Tempelhofs durch die Luftfahrt vielleicht zu ambitioniert und ist inzwischen schon vom Tisch?

ANDREAS BRÜHAN: Ganz im Gegenteil. Wir haben uns in der ersten Phase des Projekts bewusst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Zum einen weil wir der Meinung sind, dass momentan viel zu wenig in der Sache für eine optimale Lösungsfindung sondern überwiegend emotional und interessenbezogen argumentiert wird. Zum anderen müssen wir die Zeit nutzen, ein so vielschichtiges Konzept wie unseres auf allen Ebenen auf Faktensicherheit, Machbarkeit und auf einen optimalen Bezug zum TEMPELHOF AIRPORT zu prüfen sowie im Detail auszuarbeiten. Dass man also nichts mehr von uns gehört hat in der letzten Zeit liegt also eindeutig daran, dass wir große Schritte weitergekommen sind und am Ende dann auch ein funktionierendes, in alle Richtungen abgestimmtes und abgesichertes Ergebnis präsentieren zu können.

FTC: Schon im Januar haben Sie angedeutet, dass es Signale und Gespräche geben würde – wieviel konkreter ist der Stand heute im Vergleich zu Januar?

BRÜHAN: Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich Ihnen lediglich mitteilen, dass der Berliner Senat ein offenes, ernsthaftes Interesse an unserem Konzept gezeigt hat und wir uns in intensiven, fortführenden Gesprächen befinden. Diese werden wir weiterhin schützen und können deshalb auch keine Einzelheiten dazu nennen. Ich muss Sie da also noch um Verständnis und ein wenig Geduld bitten, leider.

FTC: Ihr Konzept sieht die Verknüpfung von Event, Wirtschaft und Luftfahrt vor – wie hat denn der Senat gerade auf die Tatsache reagiert, dass Sie in Tempelhof wieder Flugzeuge starten und landen lassen wollen?

BRÜHAN: Auch hierzu kann ich Ihnen keine Details nennen. Vielleicht nur so viel als Hinweis: wir werden die getroffenen Entscheidungen der Politik als Fakt und Vorgabe nehmen und wir werden auch die rechtlichen Rahmenbedingungen genau beachten. Und bei genauer Betrachtung aller dieser Fakten entsteht ein Bild, dass uns darin bestärkt, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen. Dass der Berliner Senat in seiner ersten Reaktion deutlich gemacht hat, sich auf unseren Weg einzulassen, ist das entscheidende Signal. Aber mehr kann und werde ich zu diesem Thema aktuell noch nicht sagen.

FTC: Warum scheinen dann andere Investoren und Ideengeber in Tempelhof gescheitert zu sein – deren Ansätze waren sogar ohne Luftfahrt – und der Senat hat sich indirekt dagegen entschieden?

BRÜHAN: Ich kenne die genauen Details und Gespräche natürlich nicht – es fällt jedoch auf, dass vor allem Mono-Konzepte gescheitert sind, also Ansätze, die den gesamten Standort als Ganzes nehmen und in eine einzige Richtung entwickeln wollten. Wie zum Beispiel der Filmhafen. Der Senat hat sich jedoch für eine multiple und flexible Vermietungsstrategie entschieden. Das ist auch der richtige Weg für eine Weltmarke wie den Flughafen Berlin-Tempelhof. Und dennoch können und werden wir beweisen, dass der Flugpark Berlin genau auf diese Flexibilität eingestellt ist und sogar auch darauf ein Stück weit angewiesen ist. Denn in unserem Konzept werden die Säulen Kultur&Kreativität mit der Luftfahrt so einzigartig verbunden, dass sich ein ultimativer - auch wirtschaftlicher - Mehrwert für den Standort aber vor allem auch für Berlin ergibt. Und dass zweimal im Jahr eine Modemesse in Tempelhof stattfindet, sehen wir als direkte Bereicherung und nicht als Hindernis. Auch ein solches Vorhaben wie die Bread&Butter ist übrigens in unserem Konzept eine feste Planungsgröße, die den Flugpark Berlin in keiner Weise beeinträchtigen wird. Bei der Ansiedlung von Bread & Butter würde ich es persönlich sehr begrüßen, wenn die Modemesse länger als zwei Jahre an einem Ort verweilen würde und deren Zahlungen auch für unseren TEMPELHOF AIRPORT positiv wirken würden. Der Flugpark Berlin ist übrigens schon aktuell in seiner Planungsphase als fester Co-Ankermieter neben der Bread&Butter am Standort Flughafen Tempelhof eingestuft.

FTC: Das klingt alles großartig – nur fällt es zugegebenermaßen schwer zu glauben, dass eine kleine Flugschule ein solches Konzept alleine stemmen kann…

BRÜHAN: Die Berlin Tempelhof Aviators AG ist eine Aktiengesellschaft, deren Geschäftsfeld sämtliche Facetten der Luftfahrt und vor allem auch der damit verbundenen Eventmöglichkeiten umfasst. Auch der Betrieb von Luftfahrteinrichtungen sowie Flughäfen und Landeplätzen aller Art gehören dazu. In erster Linie sind wir ein mittelständisches Luftfahrtunternehmen, dass neben Flugzeugvermietung, Oldtimerluftfahrt, Luftfahrtmanagement, Chauffeurflugdienste natürlich auch Piloten ausbildet. Die Ausbildung von Piloten stellt in unserem Haus ebenfalls einen sehr interessanten Geschäftsbereich dar. Darüberhinaus arbeiten wir mit zum Teil internationalen Partnern zusammen, die ihrerseits Stärken der Eventplanung und auch Durchführung einbringen, daraus ergibt sich dann ein umfassendes Tätigkeitsspektrum, dass es in ganz Europa in dieser Konstellation nicht gibt. Weiterhin sind Spezialisten aus der Wirtschaft, dem Luftfahrtrecht sowie der PR und des Marketings in das Projekt Flugpark Berlin eingebunden worden, so dass wir uns keinerlei Sorgen machen müssen, mit unserem Vorhaben grundsätzlich zu scheitern.

FTC: Nun stehen Ihre Flugzeuge aber gar nicht in Tempelhof sondern rundherum um Berlin in Brandenburg verteilt – wie funktioniert ein Luftfahrtunternehmen in Tempelhof ohne Flugzeuge?

BRÜHAN: Zugegeben, das ist eine Herausforderung. Aber auch hier können wir derzeit bestens beweisen, mit solchen Ausnahmezuständen souverän umzugehen. Warum müssen Flugzeuge immer in der Halle neben dem Bürogebäude stehen? Es wäre natürlich schön, aber so geht es auch und wir haben dadurch vielleicht etwas erhöhten Logistikaufwand, mehr aber nicht. Und wer weiß, auf welche Weise unsere Flugzeuge eines Tages zurück nach Tempelhof finden werden. Wir sind auf einem sehr guten Weg und werden in 2009 für alle Berliner und Luftfahrtbegeisterten auf alle Fälle noch einige Überraschungen bereit halten. Mehr kann ich dazu wie gesagt aber momentan für dieses Interview nicht beisteuern.

FTC: Vielen Dank Andreas Brühan, Berlin Tempelhof Aviators AG, für dieses Interview!

Autor: admin
Datum: Sonntag, 22. Februar 2009 12:38
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7 Kommentare

  1. Brennecke, Andreas
    Sonntag, 22. Februar 2009 14:51
    1

    Ja ich glaube immer noch daran, dass es genügend Investoren auf dieser Welt gibt, die die Einmaligkeit, und den ungemeinen wirtschatlichen Nutzen dieses Flughafens erkennen.Er ist das wahre Herz der Stadt. Von Ihm könnten die Impulse, neue Ideen für die Weltstad Berlin kommen.Ihre Ideen Herr Brühan lassen wirklich auf eine sinnvolle und dem Flughafen würdige Nutzung hoffen, bevor der sog. Bürgermeister von Berlin einen Rummelplatz daraus macht.
    Mit freundlichen Grüßen
    A. Brennecke

  2. Hans-Joachim Preuß
    Sonntag, 22. Februar 2009 16:46
    2

    Hier zeigt es sich, dass man die Hoffnung auf ein gutes Ende nicht aufgeben sollte. Es schien doch, als ginge nun im Hinblick auf die Nutzung Tempelhofs als Flughafen nichts mehr.
    Wir Gleichgesinnten -und deren gibt es sehr viele- wollen Herrn Brühan die Daumen drücken, dass seine Initiative von Erfolg gekrönt sein wird.
    Freundliche Grüße
    gez.
    Hans-J. Preuß

  3. 3

    Gut ist, dass es Menschen gibt, die für die Vernunft kämpfen. Davon sollte es mehr geben. Weiß der Bürger eigendlich, dass nach BBI Berlin die einzige Hauptstadt ohne Flughafen ist und dass alle Steuereinnahmen der Flughäfen nach Brandenburg fließen? Wußte garnicht, dass wir Berliner so blöd sein können. Frank Eichberger

  4. 4

    Es ist schon recht unüberlegt einen Flugplatz zu schließen ohne ein vernünftiges Konzept der Weiternutzung.Das ein Bürgermeister der im Vorstand des BBI sitzt so etwas entscheidet kann man verstehen, daß er das darf nicht. Ich
    als West Berliner und Pilot wünsche mir das ich bald wieder bei der Mutter landen darf. Ingo Schumann

  5. 5

    Auf dieser Website scheint es Tradition zu sein,
    dass man mit Halbwahrheiten nur so um sich schmeißt!

    Ich bin eigentlich ein Laie, doch als ich mich mal informieren wollte, brauchte ich nur einige Sekunden, um in diesem Organ hier eine unseriöse Gossen-Facette erkennen zu müssen.

    Berlin ist die einzige Stadt ohne Flughafen?

    Komisch, dass man in New York, Los Angeles, Chicago, Paris, London, Madrid, Rom, Tokyo, Singapur, Peking usw. ebenfalls in die Region fahren muss, wenn es sich nicht um einen 25 minütigen Regionalflug handeln soll!

    Berlin ist München, Tokyo, Singapur und Hong Kong gefolgt, in dem man den Flughafen ebenfalls in den letzten Jahrzehnten zu bündeln suchte und davon sehr profitiert haben.

    Die Flughäfen in Singapur, Hong Kong und München haben sehr profitiert und auch in Paris und London hat man die Reglementierungen verschärft. Natürlich kann man vom Londoner City-Airport in einem Kleinflugzeug nach Oxford fliegen und in der eigentlichen City liegt dieser auch nicht.

    Man kann sich ja mal geografische Karten ansehen, wie weit außerhalb Single-Airports bei München & Co. liegen.

    München hat davon sehr profitiert, obwohl es damals die gleichen Verleumder gab, die Riem, wenn nicht in ganz so readikalem und volksverhetzerischen Ausmaße, heilig sprachen!

    *Zum Glück sieht man es in Deutschland mit Verleumdung und Volksverhetzung sehr locker, denn ansonsten müsste hier jeder Teilnehmer juristisch wegen Volksverhetzung und Verleumdung verfolgt werden!

  6. 6

    Ich weiß nicht was in Herrn Seidels Leben schief ging das er derart verbittert ist. Bleiben Sie relaxt, niemand will Interkontinentalflüge von Tempelhof! Es geht um Chancen, Mobilität, Lebensqualität, Tradition,Geschichte…Es geht um den Erhalt des ersten Verkehrsflughafens dieser Erde !!! Den kennt man auf der ganzen Welt.Das Stadtschloß von Berlin kennt ausser einigen Berlinern kein Mensch auf der Welt aber es hat es geschafft für eine halbe Milliarde Euro wieder aufgebaut zu werden. Ich gönne es ihm, wünsche mir aber die gleiche Chance für EDDI.
    Wer nach einem anspruchsvollen Flug (Wetter) endlich den “alten Ami” im Funk hatte, wusste er war angekommen.Zu Hause! In Berlin ! Im Herzen dieser phantastischen Stadt, die ohne diesen Flugplatz wieder ein Stück langweiliger wird.

  7. 7

    Wenn nur ein Flugzeug in einem Ballungsgebiet abstürzt, ist das zu viel. Und das nur für die Bequemlichkeit von Wenigen.
    Endlich ist Schluss damit.
    Man sollte die Gelegenheit nutzen und ein Luft- und Raumfahrtmuseum dort einrichten, da die örtliche Nähe zum Technikmuseum ideal wäre. Das zieht Touristen an, schafft Arbeitplätze und bringt wirklich Geld an den Standort.
    Von einer Bebauung des Feldes halte ich nichts, denn das kann nur im Interesse von Spekulanten und suspekten Baufirmen sein.
    Abschließend möchte ich noch bemerken: Von den damaligen Befürwortern des Flughafens wurde nach der Volksabstimmung immer gesagt, wie knapp das Ergebnis war. Streng nach Zahlen, korrekt.Andererseits sollten Sie sich mal vor Augen führen wie viele Leute sich die Mühe gemacht haben und sind zur Wahl gegangen, um mit Nein zu stimmen, obwohl jeder, der nicht hinging, automatisch mit Nein gewertet wurde.

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