Berliner Morgenpost, 04.05.2009
Elf Monate lang versorgten die Alliierten West-Berlin aus der Luft. Hunderte “Rosinenbomber” flogen Lebensmittel in die von den russischen Besatzungsmächten eingeschlossene Stadt. 60 Jahre nach Ende der Blockade feiert die Berlin am 12. Mai ein ganz besonderes Jubiläum.
Der berühmte Luftbrücken-Pilot Gail Halvorsen ist wieder dabei und mit ihm 76 weitere Veteranen: Die Feier zum 60. Jahrestag des Endes der Luftbrücke am kommenden Dienstag soll ein besonderes, ein großes Ereignis werden. Bis zu 150.000 Berlinerinnen und Berliner werden bei einem Tag der offenen Tür erwartet. Halvorsen selbst sitzt zwar nicht mehr am Steuerknüppel des Rosinenbombers, aber er ist mit in der Maschine, die am 12. Mai um 16 Uhr rund 1000 „Candy Drops“ über dem Flugfeld des Flughafens Tempelhof abwerfen wird. Wie vor 60 Jahren werden Schüler die Süßigkeiten, die an kleinen Taschentuch-Fallschirmen hängen, aufzufangen versuchen. Landen freilich darf das historische Fluggerät in Tempelhof nicht mehr. Seit Oktober 2008 ist der Flughafen geschlossen, eine Ausnahmegenehmigung bekamen nur die Maschinen, die nicht rechtzeitig vor der Schließung den Airport verlassen konnten.
Sogar Senatssprecher Richard Meng war am Montag etwas feierlich zumute, als er das Ereignis samt Gedenkveranstaltung ankündigte: „Das Wort Stolz geht mir nicht gerne im Zusammenhang mit Politik über die Lippen. Aber was Berlin und die Alliierten 1948/49 geleistet haben, erfüllt einen schon ein wenig mit Stolz.“ In Tempelhof landeten zwischen 1948 und 1949 die legendären „Rosinenbomber“ und versorgten die Stadt mit Lebensmitteln, Kohle und Benzin. Sie brachen damit die Blockade der sowjetischen Besatzungskräfte.
„Das Ende der Luftbrücke hat sich ins Gedächtnis der Stadt eingeprägt“, sagte Meng. „Solidarität, Hilfsbereitschaft, Zupacken und Durchhalten haben die Berliner damals überleben lassen.“ Der Festtag ist dreigeteilt. Zunächst findet wie üblich am 12. Mai ein Gedenken mit Gebet, Ansprachen und Nationalhymnen am Luftbrückendenkmal geplant. Dort werden 350 Gäste erwartet. Eine Stunde später, um 12 Uhr, beginnt in der Abfertigungshalle des Traditions-Flughafens eine Festveranstaltung statt mit 1000 geladenen Gästen.
Veteranen berichten über Hilfe
Um 14Uhr öffnen sich dann die drei Pforten des Flughafens wie der Halle zu einem Tag der offenen Tür für die Berlinerinnen und Berliner. Veteranen erzählen von der Luftbrücke, auf zwei Bühnen spielen unter anderen die Rias Big Band, die britische Band of the Royal Force College und die Rockband der United States Air Forces in Europa. Vor dem Gebäude, auf dem Rollfeld soll es ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm geben für Jung und Alt. Mitwirkende sind unter anderem: Jugendspieler von Hertha BSC mit Maskottchen Herthinho, die ein Torwandschießen organisieren; der 1.BC Kreuzberg bietet eine Boule-Übungsstätte an; es gibt Square Dance, Briefmarken-Ausstellung und historische Original-Exponate wie Lieferwagen und Dokumente; die britische Band of the Royal Force College präsentiert ein „Beating the Retreat“, ein militärisches Zeremoniell, das auf eine englische Tradition des 16.Jahrhunderts zurückgeht; und die Berliner Morgenpost verlost Rundflüge mit dem Rosinenbomber.
Organisiert hat das Programm des Bürgerfestes die Agentur Flaskamp. Sie hatte auch vor kurzem in einem Spendenbrief an die Berliner Wirtschaft um finanzielle Unterstützung gebeten. Dabei konnten nach Aussagen des Senatssprechers 200000 Euro geworben werden. Zusammen mit den 400000 Euro aus Mitteln der Deutschen Klassenlotterie stehen für die Veranstaltung also insgesamt 600000 Euro zur Verfügung. Eigene Haushaltsmittel stehen nicht zur Verfügung.
CDU-Parteichef: „Stiefmütterlich“
Das Land Berlin zahlt nur für die jährliche Gedenkveranstaltung am Luftbrückendenkmal. Das hatte der CDU-Landesvorsitzende Frank Henkel im Vorfeld kritisiert. Er warf Wowereit vor, „stiefmütterlich“ mit der Geschichte der Stadt umzugehen. „Der wertvollste Beitrag zur Erinnerung an das Ende der Luftbrücke vor 60 Jahren wäre die Offenhaltung des Flughafens gewesen“, schimpfte Henkel.
Nicht teilnehmen an den Zeremonien werden übrigens die Schöneberger Sängerknaben, die jahrzehntelang dabei waren. Warum nicht, konnte die Protokollabteilung gestern nicht sagen. Beim 50. Jahrestag sang Cornelia Froboess mit den Schöneberger Sängerknaben, begleitet vom Berliner Polizeiorchester.
Montag, 11. Mai 2009 18:06
da haben die berlinerinnen und Berliner endlich mal die Gelegenheit mit anzusehen, wie die Mutter aller Flughäfen ausgeschlachtet und für die Zwecke der “Modebranche” auf Kosten der Steuerzahler fein filetiert wird.
Denkmalschutz zählt wohl nur für den Privathaushalt, oder warum werden die Hangars verschandelt?