Berliner CDU macht großen Bogen um Tempelhof
FLUGHAFENTEMPELHOF.COM, 30.05.2009
Der Vorsitzende der Berliner CDU, Frank Henkel, stellt überraschend ein eigenes Nachnutzungsmodell für den Flughafen Tegel vor. Obwohl noch in ferner Zukunft und mit dem Deckmantel der Vorbeugung ist das Projekt der Christdemokraten erstaunlich ausgefeilt und bereits äußerst plastisch skizziert.
Die Schließung des Flughafen Tegel ist bereits beschlossen: ein halbes Jahr nach Inbetriebnahme von BBI wird das Gelände am Kurt-Schumacher-Platz in Reinickendorf von der Verkehrspflicht entbunden und einer zivilen Nutzung zur Verfügung gestellt. Dieser Vorgang wird sich also in dem Rahmen wiederholen, wie Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit es in seinem Alleingang bei Tempelhof im Oktober 2008 bereits durchexerziert hat.
Damals war die Aufregung groß - jedoch hat eine gutgesteuerte Meinungsmache allen Berlinern glaubhaft verklickert, dass die Schließung von Tempelhof nicht nur gut, ja sogar überlebensnotwendig gewesen sein. Was unter anderem am Ende zu dem bekannten Ausgang des Volksbegehrens im April 2008 führte.
Erstaunlich ruhig ging es danach bei der CDU zu, deren einstiger Vorsitzender Eberhard Diepgen 1996 im Konsensbeschluss mit seinen Bestimmungsklauseln für eine Schließung Tempelhofs und Tegels die Interpretationsbasis für Wowereits Wahnsinnsentscheidungen legte. Dabei hätte die Partei allen Grund und alle Möglichkeiten gehabt, sich in Büdnissen, im Abgeordnetenhaus und in der politischen Detailarbeit als Schließungsgegner nachhaltig zu positionieren und die Rolle einer funktionierenden Opposition geschickt auszufüllen. Nichts dergleichen ist jedoch geschehen. Einzig die obligatorischen Floskeln im Sinne von “schreckliche Entscheidung”, “unverständliche Schließung” waren hin und wieder mal zu hören oder zu lesen - mehr kam von Seiten der Berliner CDU nicht. Ohnehin war und ist die Oppositionsrolle der CDU im Abgeordnetenhaus nicht gerade rühmlich besetzt: die engste Zusammenarbeit mit den anderen Oppositionsparteien läßt zu wünschen übrig, jeder kocht sein eigenes Süppchen.
In einem Interview zeigte sich Frank Henkel über die Schließung Tempelhofs extrem bestürzt, diese Bestürzung hielt genau 10 Minuten an, dann waren andere Themen wichtiger und ohnehin sei das “Thema Tempelhof durch” für ihn. Das war im Dezember 2008 und wer sich damals noch über mangelnden Instinkt aufgeregt hatte, erlebt in diesen Tagen nun ein klassisches Déjavu: die CDU als Oppositionspartei hat in einem enormen mehrmonatigen Kraftakt eine komplette Zukunftsplanung für das Gelände des Flughafen Tegels erarbeitet. Inklusive Archtitekten, Gutachter und fertigen Skizzen macht diese Projektplanung gar den Eindruck, als ob hier eine Regierungspartei wenn nicht sogar ein Investor zugange ist.
“SOLARPARK” - unter diesem Titel soll der Flughafen Tegel ab 2011 die Themen neue Energie und Zukunftswirtschaft in Berlin besetzen inklusive einem geschätzten Volumen neuer Arbeitsplätzen in der Zahl von etwa 20.000 neuen Jobs.
Soweit so gut -nun darf man sich aber die Frage stellen, was von einer Partei zu halten ist, die sich offenbar nicht als Opposition mit aktuellen Themen auseinandersetzt sondern sich lieber mit ungelegten Eiern und komplexen Konzepten in der fernen Zukunft beschäftigt. Eine Konzeption wie der “SOLARPARK” ist nicht in wenigen Wochen entstanden. Offenbar war die Spitze der CDU schon im Tempelhof-Schließungsjahr völlig in der intensiven Lösung der Nachnutzungsprobleme von Tegel vertieft - sodass eine möglichst agressive Oppositionsarbeit natürlich gar nicht mehr möglich gewesen ist.
So gesehen schmilzt das Feld politischer Unterstützer in der Opposition für eine weiterhin anhaltende Diskussion um den Flughafen Tempelhof im Berliner Abgeordnetenhaus weiter zusammen. Und wer weiß, was bei der Berliner CDU wirklich hinter der Anti-Tempelhoffassade steckt: Frank Henkel hat als Diplomkaufmann ein Gespür für wirtschaftliche Chancen und als Ziehsohn von Eberhard Diepgen (damals sein Büroleiter) den Riecher für politischen Nutzen geerbt. Wenn das eine mal nicht klappen sollte, so kann man sich wohl immer noch auf das andere Standbein verlassen…und warum nicht eines Tages mit Solarpanelen in Tegel Geld verdienen anstatt in Tempelhof den Oppositionszweikampf mit der Regierungskoalition zu suchen??



