Frontflip, Freestyle und freie Flächen in Tempelhof
Berliner Zeitung, 12.10.2009
Skateboarder, Skispringer, Snowboarder und Motocrosser zogen auf dem Flughafengelände weniger Besucher an, als erwartet.
Berlin - Der Motor röhrt, die Maschine hebt ab, der Fahrer steht vertikal zu der Sitzbank, macht einen Handstand. Tsunami heißt der Trick beim Freestyle Motocross. Als das Motorrad landet, jubelt das Publikum. „Sauber“, murmelt jemand.
Am Wochenende fand auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof erstmals die Freestyle.Berlin statt. Bei dem vor 14 Jahren in Zürich ins Leben gerufenen Freestyle-Veranstaltung kämpfen Athleten auf Snowboard, Freeski und Skateboard gegeneinander. Bei einer Crossover-Session traten außerdem die Motocross-Piloten an. Hingucker auf dem Flughafengelände: die 40 Meter hohe Rampe mit Kunstschnee, auf der Freeskier und Snowboarder ihre Tricks zeigten. Angekündigt waren die Stars der nationalen und internationalen Freestyle-Szene.
Was für Fans der Höhepunkt des Jahres sein mag, lief jedoch schleppend an. Sowohl Freitag als auch Sonnabend war weniger los als erwartet. „Es hätten durchaus mehr Besucher sein können“, sagt Sprecherin Monika Bocian. Das Wetter habe vor allem am Sonnabend nicht mitgespielt. Außerdem war das Ganze nicht eben billig. Ein Drei-Tages-Pass kostete für Erwachsene 50 Euro, für den Sonnabend allein mussten sie 28 Euro zahlen.
Echte Liebhaber des Freestyle-Sports ließen sich jedoch weder von Preisen, Regen oder dem Wind abschrecken, der über das stillgelegte Rollfeld fegte. Bei Mittagsbier und gebrannten Mandeln bewunderten sie ihre Stars und streiften durch die so genannte Label-World, in der verschiedene Aussteller über aktuelle Trends im Freestyle-Sport informierten. Viele Jungs sahen in ihren weiten Hosen und den Baseballkappen selbst aus wie Skater, manche von ihnen zeigten auf einer Mini-Rampe ihr Können. Hier standen auch Wenke und Christin aus Lichtenberg. Sie hatten schnell ihr Lieblinge bei den Amateuren ausgemacht – „der Typ mit den hellblauen Schuhen und sein Freund mit dem Afro“ – und zuckten jedes Mal zusammen, wenn einer der beiden seinen Stunt auf dem Hintern beendete. „Skateboarder sind einfach männlich“, sagte Wenke und Christin nickte dazu.
Unter den Besuchern waren viele Familien. Ausgestattet mit Helm, Knie- und Handschützern trainierten die Kinder im Skater-Park, während ihre Eltern auf die Auftritte zweier Berliner warteten: Jürgen Horrwarth auf seinem Skateboard und Busty Wolter auf seiner Suzuki RM 250. Bei der Crossover-Session galt Wolter als Favorit – unterlag jedoch Snowboarder Elias Elhardt. Dieser hatte im Training fast jeden Stunt verpatzt, beim Crossover dann aber den „Trick des Monats“ gezeigt, wie einige Zuschauer kennerhaft bemerkten.
Spät am Abend war die Schanze dann gesperrt, der Kunstschnee dampfte. Blau-grüne Lichtspiele und Leuchtstrahler zeigten jedoch: Die Nacht ist noch nicht vorbei. Die Besucher tauschten ihr Mittagsbier gegen Jack Daniel’s, draußen auf der Straße roch es nach Marihuana. Drinnen legten DJs auf, und während Mädels mit Bommelmützen an ihren Drinks nippten, zeigten die Freestyler, dass man Stunts auch auf der Tanzfläche machen kann.
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