Gartenschau 2017 soll Motor für Tempelhof werden
Berliner Morgenpost, 18.11.2009
Berlin hat den Zuschlag für die Internationale Gartenbauausstellung 2017 bekommen. Nicht nur das ehemalige Flugfeld in Tempelhof soll dann zu einem riesigen Garten werden. Auch die historischen Gebäude werden miteinbezogen. Der Senat hofft, dass die IGA die Erschließung des Geländes anschiebt.
Berlin wird die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) im Jahr 2017 auf dem ehemaligen Flughafengelände in Tempelhof ausrichten. Die Deutsche Bundesgartenschaugesellschaft (DBG) als Lizenzinhaber der Marke IGA erteilte Berlin gestern offiziell den Zuschlag, nachdem die Städteregion Aachen als einziger Konkurrent seine Bewerbung zurückgezogen hatte.
In der Erklärung der DBG heißt es, Berlin habe sich „mit einem fundierten Konzept auf einer Fläche historischer Tragweite“ beworben. Bereits am Vormittag hatte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher die Erfolgsmeldung verkündet: „Berlin erhält den Zuschlag für die IGA. Das ist ein großer Erfolg.“ Die in Bonn angesiedelte DBG reagierte auf das Vorpreschen der Senatorin zunächst verschnupft und dementierte, um dann am Nachmittag den Zuschlag doch zu bestätigen.
Mit dem Instrument IGA kann der Senat nun die ohnehin geplante Parkgestaltung auf dem Tempelhofer Feld aufwerten. „Die IGA ist Motor für die Entwicklung des Tempelhofer Feldes. Sie bietet die Chance, die Parklandschaft einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und den Standort Berlin noch grüner und attraktiver werden zu lassen“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Die IGA werde einen nachhaltigen Effekt in der Stadt hinterlassen.
Über den Vertrag, den der Senat mit der DBG für die IGA abschließen muss, herrscht nach Angaben der Senatsverwaltung Einigkeit. Das Land Berlin wird zu den ohnehin eingeplanten 61,5 Millionen Euro für die Gestaltung des Parks weitere 51 Millionen Euro für die IGA bereitstellen. Davon sollen 37,5 Millionen Euro über Eintrittsgelder und Vermietungen refinanziert werden, so dass der Landeszuschuss für die IGA letztlich 13,5 Millionen Euro beträgt. Von dem geplanten 250 Hektar großen Park sind 100 für die IGA vorgesehen. Diese soll sich nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung „mit ihrem Landschaftspark, mit zahlreichen Gärten, Erlebnisbereichen und gärtnerischen Sonderschauen nördlich der Start- und Landebahnen konzentrieren“. Auch Teile des Gebäudes und des Vorfeldes werden miteinbezogen. Das Land hatte den Flughafen Tempelhof vor einem Jahr zugunsten des neuen Hauptstadtflughafens in Schönefeld stillgelegt.
Die SPD-Fraktion nannte die IGA-Entscheidung eine „Riesenchance für Tempelhof und Berlin“. Auch die Grünen begrüßten wie die CDU den Zuschlag, forderten aber ein Konzept für den Naturschutz auf dem Tempelhofer Feld. Die CDU mahnte zudem ein wirtschaftlich tragfähiges Gesamtkonzept für Tempelhof an. Die FDP verlangte die Offenlegung des IGA-Gesamtkonzeptes sowie der Vertragsbedingungen, die an die IGA-Vergabe verknüpft sind.
Senatsbaudirektorin Lüscher kündigte neben dem im Februar startenden Landschaftsplaner-Wettbewerb zur Gestaltung des Parks auch einen Realisierungswettbewerb für die IGA an. Die IGA-Konzeption wird erst in der nächsten Woche vorgestellt.
Lüscher gab außerdem die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung zur Gestaltung des Tempelhofer Feldes als Park bekannt. Die Vorschläge waren über Fragebogenaktionen, Ted-Umfrage und Interviews eingegangen. Insgesamt kamen 4200 Beiträge zusammen. Größter gemeinsamer Nenner aus dem Sammelsurium von Vorschlägen: Gewünscht wird eine Parklandschaft mit Bäumen und Wasser, Bänken und Toiletten.

