Bread&Butter zurück in Tempelhof
Berliner Morgenpost, 19.01.2010
Dass sich ab morgen wieder vieles in der Stadt um die Fachmesse Bread&Butter dreht, wird schon zu Beginn des “Presserundgangs” deutlich, als sich im Eingangsbereich des Flughafens Tempelhof Dutzende von Hostessen auf die Füße treten. Aufgeregtes Stimmengewirr, gleich in mehreren Sprachen. In der Abflughalle wartet B&B-Chef Karl-Heinz Müller, dicke Jacke, wollige Mütze, der heute ausnahmsweise mal den Reiseführer gibt.
Nicht ganz allein: Verstärkung hat er unter anderem von “Borchardt”-Chef Roland Mary, der wieder für das Catering zuständig sein wird, und Burkhard Kieker, Chef der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM).
Die kleine Tempelhof-Reisegruppe macht kurz Station im “Business-Club”, dann einen längeren Stopp in der “Denim Base”. Dort, wo Global Player wie Adidas oder Diesel ihren Geschäftspartnern die neuesten Kollektionen präsentieren werden, zeigt Müller stolz die 400 Meter lange und zwölf Meter hohe Wandkonstruktion, die sechs Monate Planung erforderte und das Flugvorfeld winterfest macht. Außerdem kann sie für Projektionen genutzt werden. Umgesetzt wurde die Konstruktion vom Schöneberger Unternehmen “System 180″. “Mehr als 200 Heizstrahler - sehen ein bisschen aus wie Döner-Grills- sorgen dafür, dass hier konstant eine Temperatur von 20 Grad herrscht.” 80 000 bis 100 000 Fachbesucher werden erwartet, rund 600 Marken stellen auf der Messe aus - und wie Müller noch einmal betont: “Das hier ist kein Schaulaufen. Es geht nicht um irgendwelche Prominenten, sondern um Business.”
Da aber auch die Geschäfte Spaß machen sollen, tritt heute in großer Besetzung die Band “The Boss Hoss” im “Original Sin Saloon” auf. Und weil das Motto dieser Wintersaison “Original” ist, moderiert das frühere MTV-Gesicht Ray Cokes den Abend, zu dem auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erwartet wird. “In diesem Zelt trifft Oktoberfest auf ,White Trash’, trifft ,Moulin Rouge’ auf ,From Dusk till Dawn’”, so Müller. Rustikaler Holzboden, Bierbänke, Lichterketten, Zirkuslogen - bei der heutigen Eröffnungsparty sollen 2500 Gäste Platz finden. An den Messetagen wird es in dem Restaurant einen Durchlauf von 20 000 bis 25 000 Menschen am Tag geben.
BIS ZU 100 MILLIONEN FÜR BERLIN
Zahlen, die natürlich auch Tourismus-Chef Burkhard Kieker gefallen. Die vergangene Saison habe gezeigt, dass drei Messetage der Stadt rund 60 Millionen Euro einbringen können - Kieker geht sogar davon aus, dass es diesmal noch mehr sein wird. “Wenn man die Tage drumherum noch dazu nimmt, kann man bestimmt von 70 bis 100 Millionen Euro ausgehen. Die Fashion Week ist ein absoluter Segen für die Stadt.”
Über ihr eigenes Hotelbuchungsportal auf der B&B-Homepage habe die BTM nicht nur einen Überblick über die “enormen Umsätze”, sondern auch darüber, welche Hotelkategorien besonders gut gingen. “Im 3- bis 5-Sterne-Bereich sind die Hotels fast ausgebucht”, so Kieker. Allein die 2-Sterne-Häuser und Hostels gingen nur mäßig. “Und das alles in einer Zeit, in der sonst viele Hotelbetten kalt bleiben. Darum beneiden uns viele andere Städte.” Die Hotels profitierten außerdem von der großen Nachfrage nach Räumlichkeiten für Präsentationen und Pressekonferenzen. “Trendsetting, Fashion und Design - das alles ist mittlerweile ein ganz wesentlicher Teil der Wahrnehmung von Berlin.”
Daher auch die gute Auslastung des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Marken wie Levis oder Boss Orange haben sogar eigene Pavillons angemietet. G-Star gleich ein eigenes “Zirkuszelt”. Dort wird gerade die eigene Jeans-Modenschau geprobt. “Die ganze Welt hat sich ,vercasualisiert’”, umschreibt Müller die Vorliebe vieler für sein Fachgebiet. Auch bei offiziellen Anlässen tragen immer mehr Menschen Jeans. “Und Berlin passt hervorragend zu diesem Stil, weil die Stadt nicht so festgelegt ist wie etwa Paris.”

