Tempelhofer Feld: Mit dem Bolzenschneider zum Fest
Berliner Zeitung, 16.04.2010
Anfang Mai wird der frühere Flughafen Tempelhof wieder für alle geöffnet. Einige wollen stören.
Joggen und Fußballspielen für alle, ein fröhliches Drachenfest und Picknick auf dem ehemaligen Flugfeld – so soll es am 8. und 9. Mai auf dem ehemaligen Flugfeld Tempelhof zugehen. Bis zu 200 000 Menschen werden erwartet, wenn der Tempelhofer Park mit einem großen Volksfest offiziell eröffnet wird. Das 380 Hektar große Areal, das bis vor eineinhalb Jahren Berlins ältester City-Flughafen war, wird dann täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang über mehrere Eingänge für alle zugänglich sein.
Die Eröffnungsfeier könnte allerdings viel turbulenter ausfallen als sich das die Organisatoren in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wünschen. Denn ein Bündnis, das sich „Stadt für alle“ nennt, rief gestern zur Dauerbesetzung des Geländes mit Bauwagen und Zelten auf. Und wer sich dem Zaun um das Areal „am kreativsten“ nähere, hieß es, werde mit dem „goldenen Bolzenschneider“ ausgezeichnet. Ein offensichtlicher Aufruf, den Sicherheitszaun um das Gelände zu zerstören. Auch mit Graffiti-Workshops und Guerilla-Pflanzungen auf dem Gelände will man die Eröffnungsfeier torpedieren. Eine Woche nach dem 1.-Mai-Wochenende könnte so die nächste Auseinandersetzung in der Stadt drohen.
Das Bündnis, das nach eigenen Aussagen europaweit Anhänger mobilisiert, lehnt die geplante Gestaltung des Flughafengeländes Tempelhof ab. Am Rand des riesigen Parks sollen an einigen Stellen auch Wohnungen gebaut werden. Dies sei falsche Stadtpolitik und eine Aufwertung ganzer Quartiere, die arme Anwohner vertreibe. Kritisiert wurde aber auch, dass der Park nachts abgeschlossen wird. Und dass sich die Besucher an Regeln halten sollen: Denn gegrillt werden darf nur an ausgewiesenen Stellen, und Hunde haben nur in bestimmten Gebieten freien Auslauf. „Das ist keine Öffnung, sondern unsozial“, hieß es.
Bei den Verantwortlichen werden die gestrigen Ankündigungen aufmerksam registriert. „Wir sammeln alle Informationen und werden unsere Planungen so gestalten, dass die öffentliche Sicherheit jederzeit gewährleistet ist“, sagte gestern Polizeisprecher Martin Otter. Zu Strategien will sich derzeit niemand äußern. Zumal im Moment überall die Vorbereitungen auf den 1. Mai laufen. Doch eines scheint sicher: Zu martialischen Auseinandersetzungen, bei denen Polizei-Hundertschaften Wohnwagen und Zelte vom Tempelhofer Feld räumen, wird es eher nicht kommen.
Es gebe keinen Anlass zur Sorge, heißt es auch in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. „Die Berliner werden sich ihre Party nicht kaputt machen lassen“, sagte der Sprecher Mathias Gille. Ob die Zahl von hundert Sicherheitsleuten beim Eröffnungsfest und danach täglich neun Security-Mitarbeiter im Park ausreichen? Niemand will derzeit dazu etwas sagen.
WEITERE AKTIONSTAGE
Das Mai-Wochenende in Tempelhof ist nur der Auftakt für weitere Aktionstage, mit denen das Bündnis „Stadt für Alle“ gegen die Berliner Stadtpolitik protestieren will. Am 5. Juni geht es am Spreeufer in Friedrichshain-Kreuzberg gegen die Mediaspree. Unter dem Motto „Mediaspree entern“ sollen „ungewollte Baustellen“ besetzt und ein bereits gestalteter Park neu bepflanzt werden. Und im September will dann eine Gruppe, die sich „Anti-Liegenschaftsfonds“ nennt, gegen den Verkauf von Immobilien und Grundstücken an Investoren protestieren.
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