Tristesse-Park: Balla balla auf dem Flughafen Tempelhof

BZ Berlin, 22.05.2010

4,5 Quadratkilometer Brache: Der Flughafen wurde zum “Bürgerpark” erklärt. Die Bürger bleiben aus.

Foto: BZ-Berlin

Foto: BZ-Berlin

Als am 8. Mai das Flugfeld Tempelhof geöffnet wurde, sagte der Regierende Bürgermeister Bürgermeister Wowereit dem Gelände eine große Zukunft voraus. Bausenatorin Junge-Reyer kündigte an, das Flugfeld so beliebt zu machen, wie es der Central Park bei den New Yorkern sei. Knapp zwei Wochen später entstand dieses Foto vom Flughafen Tempelhof: Polizisten vertreiben sich die Zeit, einer von ihnen spielt mit seinem Schlagstock Baseball. Weit und breit ist kein Mensch auf den Startbahnen zu sehen, die zum Inline-Skaten einladen sollten.

ÖFFNUNG DES FELDES KOSTETE 560.000 EURO

Auf den Liegestühlen in den Wiesen liegt kaum ein Mensch. Der Fotograf erwischte nur ein paar Kinder, die um einen Baum spielen. Es sind Bilder, die Ödnis, Leere und Perspektivlosigkeit zeigen. Sie zeigen einen Flughafen, auf dem einmal reger Flugverkehr diese Stadt mit dem übrigen Europa verband und der heute verlassen und leer da liegt. Der nicht beliebt ist, wie der Central Park und der keine große Zukunft hat, denn das Flugfeld soll nach dem Willen des Senats eine „grüne Lunge“ und deshalb nicht bebaut werden. Der größte Teil der Wiese zwischen den Startbahnen ist bereits als „Schwalbenschutzgebiet“ deklariert.

Und schlimmer noch: Die öde Brache Tempelhof ist bereits jetzt ein Millionengrab: 560.000 Euro kostete es, das Flugfeld zugänglich zu machen. Die Kosten für Bewachung, Instandhaltung und Energie belaufen sich für Flugfeld und Flughafengebäude auf jährlich 10 Millionen Euro. Das sind, gerechnet von der Schließung Tempelhofs (2008) bis 2017 insgesamt 90 Millionen Euro. Warum 2017? Dann wird auf dem Flugfeld die Internationale Gartenschau ausgerichtet, für 61 Millionen Euro. Und gegen alle diese Ausgaben kann der Senat jährlich nur mit höchstens 3,2 Millionen Euro Einnahmen durch die Modemesse „Bread&Butter“rechnen.

DER FLUGHAFEN TEMPELHOF HÄTTE KEIN PLEITE-PROJEKT WERDEN MÜSSEN

Wohl bemerkt: Es hätte zu allem dem nicht kommen müssen. Tempelhof hätte nach der Rechtslage bis zur Fertigstellung des neuen Großflughafen in Schönefeld geöffnet bleiben können. Man hätte Alternativen zur Schließung finden können. Es gab das Angebot der Deutschen Bahn, den Flughafen zu nutzen. Es gab das Angebot des amerikanischen Unternehmers Ronald S. Lauder, eine Internationale Klinik mit Landebahn zu eröffnen und dafür 350 Millionen Euro zu investieren. Es gab viele Angebote. Der Regierende Bürgermeister Wowereit hat sie alle ausgeschlagen. Nun bleibt ihm dieses nutzlose sinnlose Brachland, das er uns als neuen Park verkauft und auf dem täglich Geld vernichtet wird.

http://www.bz-berlin.de/bezirk/tempelhof/balla-balla-auf-dem-flughafen-tempelhof-article851872.html

Autor: admin
Datum: Sonntag, 23. Mai 2010 9:36
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6 Kommentare

  1. 1

    “Bürger bleiben aus”? Der Autor scheint noch nicht im Park selbst gewesen zu sein. Bin jede Woche mindestens einmal da und definitiv nicht der Einzige dort.
    “Weit und breit ist kein Mensch auf den Startbahnen zu sehen, die zum Inline-Skaten einladen sollten.” Ganz einfach Bullshit. Schlechte, einseitige Meinungsmache. Wer sich selbst ein Bild machen will sollte einfach mal hingehen. Bietet sich ja an bei dem derzeitigen Wetter.

  2. 2

    Kann dem nur Zustimmen. Bin 2 bis 3 mal in der Woche dort und der Park wird sehr gut angenommen. Es werden mit jedem Tag mehr Blader, Skater, Fahraradfahrer und Kiter. Am Wochenende bietet sich ein einmaliges Bild, wenn bis zu 50 Kites am Berliner Himmel erscheinen. Dieses Gelände ist ein echtes Geschenk an die Berliner. Langweilige, nach englischen Vorbildern gestaltete Stadtparks gibt es genug. THF bietet eben durch die spartanische Ausstattung Raum um sich zu entfalten und eigene Ideen zu entwickeln. Die gesamte Seite schreit nach Meinungsmache!

  3. 3

    moomentmal jungs! ob der park in euren augen gut angenommen wird oder nicht, ist zweitrangig. geschenke an die berliner gab es schon immer genug beim rot-roten senat. in dieser stadt muss endlich mal der groschen fallen, dass geschenke geld kosten und die allgemeinheit dafür aufkommen muß! früher war der airport ein geschenk für die luftfahrt und ganz berlin und hat geld verdient! dann hat der senat ihn mutwillig in den ruin getrieben (könnt ihr hier nachlesen). heute ist es ein geschenk für einige wenige blader, die hundert jahre nicht gerade in der ecke sassen und traurig waren. sondern ihren spass woanders hatten. aber: der aktuelle spass und das neue geschenk von könig klaus an sein volk kostet nun schon mehr als 90 millionen euro. und ein ende ist nicht in sicht.
    ist es nicht komisch, dass “pure meinungsmache” in vielen anderen augen einfach “vernunft & wahrheit” bedeutet?

  4. 4

    Die übliche zeitgemäße “Berichterstattung”: unbegründete Behauptungen, nicht referenzierte Kalkulationen - das ist der Stil der Mietschreiberlinge - solche, die dann auch Massenhysterie anpeitschen, wenn die nächste “Epidemie” vor der Tür steht: Eichhörnchengrippe, Hundehusten o.ä.

  5. 5

    Das hier ist der peinlichste Blog der Stadt, wer zitiert schon die BZ? Die BZ ist nicht zitierfähig. Das weiß doch jeder Journalistenschüler. Dieser Park ist gut für die Menschen in Kreuzberg und Tempelhof, und das ist gut und richtig so.

  6. 6

    @victor:
    Ach ist das peinlich, wenn mal eine Zeitung die Wahrheit schreibt? Und ist die BZ deshalb schlecht, weil sie mal kritisch ihre Ansicht hinterfragt?
    Bloß weil Sie vielleicht jeden Tag mit Ihrem Lenkdrachen und einer großen Tütel Grill-Holzkohle auf der Landebahn stehen, heißt es noch lange nicht, dass dieser Senatswahnsinn “gut und richtig so” ist. Berlin hat mehr Einwohner als Sie alleine. UND: Berlin ist mit Bremen der ärmste Stadtstaat in diesem Land und kann sich teure Geschenke an seine Bürger nicht leisten. Wann kommt endlich mal einer auf die Idee zu fragen: wann wird in dieser Stadt endlich mal Geld verdient und nicht immer nur Geld ausgegeben?
    Herr, wirf Hirn vom Himmel!

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